
[Tiguan: Die Modellbezeichnung Tiguan setzt sich aus Tiger und Leguan zusammen. Das Kunstwort entstand aus einer Umfrage der Zeitschrift Auto Bild, deren Leser über den Namen des zukünftigen VW-Fahrzeugs abstimmen konnten.]
Autonamen sind wie ein Versprechen: sie klingen nach Romantik, Mittelmeerflair, Prestigesportarten oder purer Kraft. Und sie müssen international funktionieren.
Tiguan, Touareg, Qashqai – von exotisch bis unaussprechlich reicht die Palette moderner Autonamen. Längst reichen gefährliche Tiere, griechische Götter, mythische Wesen oder Planeten nicht mehr aus, um die Zahl der neuen Wagentypen abzudecken. Allein in Großbritannien kamen im Vorjahr mehr als 300 neue Modelle auf den Markt. Deshalb sorgen heute Verbal-Designer für individuelle Namens-Kreationen. Sie entwickeln bis zu 10.000 Vorschläge für eine neue Marke, wie den Aygo von Toyota (angelehnt an das englische „I go“). Alle Namen müssen gut aussprechbar, rechtefrei und international vermarktbar sein. Vor allem aber sollten sie in keiner Sprache mit negativen Assoziationen verbunden werden.
Keine leichte Aufgabe, wie zahlreiche Fehltritte zeigen. So bedachte Mitsubishi bei der Taufe des „Pajero“ nicht, dass Spanier bei diesem Wort an Selbstbefriedigung denken. Und wer will schon ein Auto, das so heißt? Auch Chevrolet landete mit seinem Modell „Nova“ einen Flop, da der Name im Spanischen wie „no va“ klingt – ein Auto, das „nicht geht“. Viel einfacher hatte es da VW: Der „Käfer“ wurde in den 50er Jahren ein Riesenerfolg, ohne jemals offiziell getauft worden zu sein.
Der Blick in die Vergangenheit verrät aber noch viel mehr, denn Autonamen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die 60er zeugen vom wirtschaftlichen Aufstieg. Modelle wie Kadett, Kapitän, Commodore, und Admiral waren beliebt, die Marinehierarchie kam an. Bald wurde es politischer: Diplomat und Senator hießen die Modelle von Opel, Ford konterte mit dem Escort und dem Consul. Mit diesen konservativen Bezeichnungen konnte die Studentenbewegung wenig anfangen – die biederen Namen kamen in Verruf. Die junge Generation sehnte sich nach Urlaubsromantik und Mittelmeerflair. So wurden bei den angehenden Reise-Weltmeistern der Ford Capri, der Ascona und der Granada ein Renner.
Auch Volkswagen schweifte in die Ferne und benannte seine Neuschöpfungen mit dem Passat und dem Scirocco nach fernen Winden. Ford setzte mit dem Fiesta (spanisch Feier) auf die neue Lebenslust. Bald wurde es exklusiver: Prestige-Sportarten wie Golf oder Polo mussten her, um dem Lebenswandel der Deutschen gerecht zu werden. Auch das Ende des Ost-West-Konflikts in den 90er Jahren hinterließ seine Spuren. Fortan mussten neue Modelle global und futuristisch klingen: Astra, Omega, Mondeo (abgeleitet vom lateinischen mundus für Welt) und Galaxy sind nur einige Beispiele.
Einfach ist manchmal schwer
Nicht jeder unterwirft sich dem Trend. Audi, Mercedes und BMW setzen seit jeher auf Zahlen- und Buchstabenkombinationen. Die Abkürzungen CLK, CLR oder CLS sind jedoch nur noch für eingefleischte Fans überschaubar. Und es wird langsam eng: Bei Audi gesellen sich zu den „Standardmodellen“ A1 (kommt erst noch), A2 (wird nicht mehr gebaut), A3, A4, A5, A6 und A8 mittlerweile der TT, R8, Q7 und Q5. Das „Q“ steht für quattro, weil diese Modelle serienmäßig mit Allradantrieb zu haben sind.
Im Gegensatz dazu setzt der italienische Sportwagenhersteller Lamborghini (gehört mittlerweile zu Audi) ganz auf die spanische Tradition. Die aktuellen Modellbezeichnungen Gallardo und Murciélago haben ihren Ursprung in der Kampfstierzucht: Der Stier ziert das Firmenemblem von Lamborghini. Murciélago war auch der Name eines Kampfstiers aus dem 19. Jahrhundert, der einen derart großartigen Kampf gegen einen Torero führte, dass ihm das Publikum das Leben schenkte. Genau das richtige Image für einen Sportwagen.
Heute verzichten viele Verbaldesigner auf eine allzu offensichtliche Bedeutung eines Modellnamens. Zu unterschiedlich sind die Käuferschichten.