Spurensuche(r)

Eine ganz besondere Spürnase

Wenn der Motor stottert, kann das viele Ursachen haben. Insbesondere die Elektronik macht Autos anfällig für Störungen. Damit die Suche nach den Fehlerquellen nicht zur Puzzlearbeit wird, vertraut Kfz-Techniker-Meister Klaus Ketterer einer ganz besonderen Spürnase.

Ob ABS oder Fensterheber: Ohne Elektronik läuft in modernen Autos nichts mehr. Das ist Segen und Fluch zugleich. Denn einerseits sind die Autos dadurch sicherer und komfortabler zu bedienen, andererseits aber auch anfälliger für Fehler und Defekte. Kfz-Techniker-Meister Klaus Ketterer, Inhaber von Meisterhaft Ketterer in Titisee-Neustadt, kennt die Problematik: „Seit zirka 10 bis 15 Jahren steigt die Anzahl elektronischer Steuergeräte kontinuierlich. Es gilt: Je neuer das Auto, desto mehr Elektronik steckt drin.“

Sicher, aber anfällig


Prinzipiell besteht die Autoelektronik aus drei Komponenten: Einem Sensor, der misst, sowie einem Steuergerät, das Ist- und Sollwerte abgleicht. Außerdem gibt es die sogenannten Stellglieder oder Aktoren, die Einstellungen verändern, um den Sollzustand zu erreichen. Die Elektronik regelt aber noch wesentlich mehr: „Airbags, Gurtstraffer, Klimaautomatik oder die Zentralverriegelung – sie alle werden elektronisch geregelt. Und fast jedes System hat ein eigenes Steuergerät“, betont Ketterer. Sei es nun der Motorlüfter, das Türsteuergerät oder die elektronische Stabilitätskontrolle ESP – in einem normalen Pkw befinden sich etwa zehn bis fünfzehn Steuergeräte, die über das ge-samte Fahrzeug verteilt sind. In modernen Luxuslimousinen wie dem 7er BMW oder der Mercedes S-Klasse sind zum Teil sogar mehr als 70 Steuergeräte eingebaut. Viele davon stecken im Motorraum, denn nur mit Elektronik lässt sich maximale Leistung bei geringem Verbrauch und minimalen Abgasemissionen erreichen.

Elektronik rettet Leben


Allerdings sind sich die meisten Autofahrer gar nicht bewusst, wie viel Elektronik in ihrem Auto steckt und welchem Zweck sie eigentlich dient. Auch nicht, dass die Elektronik im Ernstfall ihr Leben retten kann. Klaus Ketterer kann dies bestätigen: „Ein gutes Beispiel sind die Airbags, von denen es mittlerweile auch in Kleinwagen zwei gibt. Dank der Elektronik wird der Airbag innerhalb von Millisekunden ausgelöst. So schnell kann der Fahrer gar nicht reagieren.“ Aber auch die beste Elektronik hat ihre Tücken. Früher funktionierte ein Auto größtenteils elektrisch, hydraulisch und mechanisch. Traten Probleme auf, konnte man anhand der Symptome, die zum Beispiel am Motor oder an den Bremsen auftraten, die Ursache schnell erkennen und beseitigen.

Die elektronische Spürnase


„Autos sind heutzutage wesentlich komplexer. Und je komplexer, desto mehr potentielle Fehlerquellen gibt es“, so Ketterer. Deshalb sind moderne elektronische Diagnosegeräte für eine professionelle Werkstatt unerlässlich. Ketterer und sein Team vertrauen bei der Diagnose auf ein Gerät von Bosch: „Damit können wir auch bei den neuesten Fahrzeugen die Steuergeräte ansteuern, um nach Fehlern zu suchen.“ Die elektronische Spürnase kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Fehler nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen ist.

Aus der Praxis


Ein Beispiel aus der Werkstattpraxis: Die ABS-Lampe leuchtet auf und verkündet, dass sowohl das ABS als auch das ESP nicht funktionieren. Klaus Ketterer schließt daraufhin das Diagnosegerät an das Auto an und geht auf Tuchfühlung zu den Steuergeräten. Der Fehlerpfad ist zwar schnell lokalisiert, die eigentliche Detektivarbeit beginnt für Ketterer aber erst jetzt: „Die Störung kann verschiedene Ursachen haben. Es kann am Sensor liegen, am Kabel oder am Steuergerät.“ Weil der Computer in erster Linie Messergebnisse und Daten liefert, muss der Fachmann diese Daten auch richtig interpretieren, um den Fehler zu finden. Ohne sein fundiertes kraftfahr-technisches Wissen wäre er aufgeschmissen. In diesem Fall war ein gebrochenes Kabel die Ursache für den Fehler. „Wenn man nur den Sensor ausgetauscht hätte, wäre die Störung wieder aufgetreten.“

Komplizierte Fälle


Es gibt aber noch wesentlich kompliziertere Fälle, wenn zum Beispiel weder eine Kontrolllampe leuchtet, noch das Steuergerät einen Fehler meldet. Weil sich in einem Motor zahlreiche Komponenten gegenseitig beeinflussen, kann beispielsweise ein Motorruckeln während der Fahrt völlig unterschiedliche Gründe haben: entweder zu geringe Luftzufuhr, eine Störung der Zündanlage, Über- oder Unterspannung, Wackelkontakte, Kabelbrüche oder eine falsche Abgaszusammensetzung. Klaus Ketterer können aber auch solch schwierigen Fälle nicht aus der Ruhe bringen: „Jetzt muss man logisch vorgehen, um möglichst schnell die Ursache des Fehlers zu finden. Denn wir müssen dem Kunden ja später auch erklären, warum wir so lange für die Suche gebraucht haben.“

Mühsame Spurensuche


Auch hier bietet die Werkstattpraxis genügend anschauliche Beispiele. Ein Kunde kam in die Werkstatt, weil der Motor seines VW Polos während der Fahrt immer wieder stark stotterte. Eine Fehlerspeicherauslese brachte kein Ergebnis, auch die Sichtprüfung an Kabeln und Steckern blieb erfolglos. Dann machten sich Ketterer und sein Team, ausgestattet mit Multimeter, Oszilloskop und Diagnosegerät, auf die Suche. Schnell entdeckten sie, dass die Gemischaufbereitung, also das Verhältnis zwischen Luft und Sprit im Zylinder, nicht stimmte. Verantwortlich dafür war ein defektes Abgasrückführventil, das dem Motorsteuergerät eine falsche  Position vorgaukelte. Also wieder mal ein „Treffer“ für Klaus Ketterer: „Vieles lässt sich mit gesundem Menschenverstand und logischer Herangehensweise lösen. Zur Unterstützung gibt es noch eine Hotline, über die man Informationen über häufig auftretende Fehlerquellen oder Schaltpläne von Motormanagementsystemen erhalten kann. Bis dato haben wir noch jeden Fehler gefunden!“

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